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Geschichte
Die älteste Fachvereinigung deutscher Dermatologen
Berliner Dermatologische Gesellschaft
Klaus Harnack Die Sektion Hautkrankheiten der „Naturforscherversammlung“
brachte 1886 zum ersten Mal ältere und jüngere Berliner
Dermatologen in persönlichen Kontakt, deren wissenschaftliche
Anschaungen auf den Sitzungen der Berliner Medizinischen Gesellschaft
mitunter hart aufeinander geprallt waren.
Dies war für Oskar Lassar Grund genug, alle Berliner
Fachkollegen am 4. Oktober 1886 zu einem Treffen einzuladen,
um die Gründung einer Dermatologischen Gesellschaft zu
besprechen. Die von ihm so genannten „Senioren“
Georg Lewin und Heinrich Köbner wurden gleichberechtigte
Vorsitzende: zwei Vorsitzende, weil beide Wissenschaftlicher
gegensätzliche Meinungen vertraten. Heinrich Köbner
musste wegen eines schweren Leidens sein Amt als Kliniker
in Breslau vorzeitig aufgeben und kam 1878 nach Berlin. Bis
1896, dem Todesjahr von Lewin, alternierten die jeweils beiden
Vorsitzenden. 1896 wurden die Statuten der Gesellschaft geändert:
es gab nur noch einen Vorsitzenden, seit 1898 den Extra-Ordinarius
Edmund Lesser. Ihm standen nach einander Fritz Lesser, Oskar
Lassar, Max Joseph, Alfred Blaschko und Oskar Rosenthal als
Stellvertreter zur Seite. Rosenthal war bei der Gründung
der Gesellschaft neben Heinrich Müller lange Zeit einer
der beiden Sekretäre. Nächste Nachfolger in diesem
Amt wurden Edmund Saalfeld, M. Joseph, C. Bruhns. Der Gesellschaft
gehörten bei ihrer Gründung 33 Mitglieder an. Am
1. Dezember 1896 wurde die zunächst als Vereinigung bezeichnete
Gesellschaft offiziell in „Berliner Dermatologische
Gesellschaft“ umbenannt. Ziele der Gesellschaft waren
die Pflege der Beziehung zu anderen Fachgesellschaften, Einflussnahme
auf gesetzgebende Instanzen, Unterstützung allgemeiner
sozialer und hygienischer Bestrebungen. Die BDG besaß
eine eigene große Bibliothek, so dass jedes Mitglied
Zugang zu allen dermatologischen Publikationen hatte. Die
Vereinigung/Gesellschaft tagte achtmal im Jahr. „Kongress-Organ“
war die von Oskar Lassar gegründete „Dermatologische
Zeitschrift“ (später „Dermatologica“)
nach dem Zweiten Weltkrieg abgelöst durch die von Erich
Langer seit 1946 redigierte „Zeitschrift für Haut-
und Geschlechtskrankheiten“.
Auf den Programmen der Gesellschaft standen vorwiegend Krankendemonstrationen,
bei denen die Kranken selbst vorgestellt wurden. Die Morphologie
der Hautkrankheiten dominierte also, selbstverständlich
auch die Diskussionen über die Ätiologie, Pathogenese
der Dermatosen. Die Fallvorstellungen nahmen dann im Hörsaal
manchmal vortragsmäßige Ausmaße an, die schriftlichen
Ausarbeitungen waren oft wissenschaftlichen Veröffentlichungen
gleichzusetzen. Dagegen „ersetzen“ heute meist
farbige Diapositive und Tabellen sowie grafische Darstellungen
die visuelle „live-Demonstration“.
Die Vortragsprogramme richteten sich wechselnd – wie
noch heute – nach Ergebnissen der Forschung auf dem
Gebiet der Dermatologie und Venerologie. Auch Geräte
wurden vorgestellt, so die Kromayersche Quarzlampe. Heute
stehen analog Ergebnisse, Probleme sowie Variationen der Lichtbehandlung,
insbesondere der PUVA-Therapie, auf dem Programm. Die Immunologie
ist immer mehr in den Vordergrund gerückt. Sozusagen
abonniert geblieben sind bis heute die Themen Psoriasis, Atopische
Dermatitis, Phlebologie, Dermato-Histologie, Allergologie,
Infektionen, Berufsdermatosen, Onkologie.
Der letzte Vorsitzende der BDG vor Kriegsende war Walter Frieboes.
Im Mai 1945 wurden alle Medizinischen Gesellschaften, also
auch die BDG, von der Sowjetischen Militäradministration
(SMAD) aufgelöst. Jedoch schon 1946 zeigten sich Bestrebungen
zur Neugründung der BDG. Am 4. Juni 1947 unterschrieben
Bohnstedt, Hussels, Langer, Peiser, Rost, Siebert und H. Winkler
den Gründungsantrag, dem am 28. Februar 1948 stattgegeben
wurde (Herzberg). Die frühere BDG hieß vorerst
Berliner Medizinisch-wissenschaftliche Gesellschaft für
Dermatologie und Venerologie. Bei der Gründung am 30.
Juni 1948 wurde Rost zum Ersten, Langer zum Zweiten Vorsitzenden
gewählt. H. Winkler wurde Schriftführer. Ab dem
13. Februar 1950 wurde mit Gründung des Magistrats von
Groß-Berlin wieder die alte Bezeichnung BDG geführt.
Die Jahre der Trennung in Ost und West
Und nun das Besondere an der Berliner Situation: Am 21. Januar
1948 nahm auf Veranlassung von Karl Linser, dem damaligen
Präsidenten der Zentralverwaltung für Gesundheitswesen,
und mit Genehmigung der SMAD, also etwa fünf Wochen vor
der Neugründung der BDG, die „Dermatologische Gesellschaft
bei der Universität Berlin“ (gemeint ist die Humboldt-Universität)
ihre Arbeit auf. Auch diese Gesellschaft fühlte sich
offenbar als Nachfolgevereinigung der BDG, denn der zum Ersten
Vorsitzenden gewählte Heinrich Löhe würdigte
die traditionsreiche Vergangenheit der Gesellschaft und die
Verdienste der bisherigen Vorsitzenden. Zweiter Vorsitzender
wurde am 21. Januar 1948 Rudolf Maximilian Bohnstedt, Schriftführer
Heinrich Winkler, der am 30. Juni 1948 auch zum Schriftführer
der Berliner Medizinisch-wissenschaftlichen Gesellschaft für
Dermatologie und Venerologie in West-Berlin gewählt wurde.
Heinrich Winkler blieb bis zu seinem Tod Schriftführer
beider Gesellschaften! Auf Veranlassung von Karl Linser wurde
er für seine Verdienste zum Ehrenmitglied der Dermatologischen
Gesellschaft an der Universität Berlin ernannt.
Bis 1961 gab es wiederholt Gemeinschaftstagungen beider Gesellschaften
mit Patientenvorstellungen aus allen Berliner Hautkliniken
und –abteilungen, so zum Beispiel am 9. März 1949
(Derm. Wschr. 120 (1949) 656) im Rudolf-Virchow-Krankenhaus,
am 8. März 1950 unter Vorsitz von G. A. Rost und H. Löhe
(Derm. Wschr. 123 (1951) 109). Anlässlich der zehnten
Sitzung der Dermatologischen Gesellschaft bei der Humboldt-Universität
am 14. März 1951 wurde Heinrich Löhe zum Ehrenvorsitzenden
ernannt. Die Laudatio hielt Karl Linser als neuer Erster Vorsitzender
(Derm. Wschr. 124 (1951) 1057). Erwähnenswert ist die
12. Sitzung unter Karl Linser. Er begrüßte besonders
den Ehrenvorsitzenden H. Löhe, die Ordinarien S. Bommer,
W. Gertler, J. Hämel und mit besonderer Freude G.A. Rost,
auch die vielen in den „Westsektoren“ tätigen
Kollegen, und erblickte darin einen Beweis dafür, „dass
deutsche Dermatologen die künstlich errichteten Sektorengrenzen
nicht respektieren“.
Anlässlich der 26. Tagung der Dermatologischen Gesellschaft
an der Charité Berlin am 18./19. November 1966 unter
der wissenschaftlichen Leitung von W. Gertler wurde über
Organisation und Ergebnisse der maritimen Klimatherapie auf
dem „MS Völkerfreundschaft“ in Gegenwart
von H.A. Gottron (Tübingen) und W. Pfleiderer (Westerland/Sylt)
berichtet. Am 10. September 1975 fand mit historischen Bezügen
die Festsitzung zum 80. Geburtstag von Karl Linser statt (Derm.
Mschr. 162 (1978) 438).
Insgesamt wurden 61 Tagungen der unter den Bezeichnungen „Dermatologische
Gesellschaft bei der Universität Berlin“, „Dermatologische
Gesellschaft an der Charité Berlin“ (Gertler)
durchgeführt, die letzte am 21. Oktober 1988 unter dem
Vorsitz von Niels Sönnichsen (Derm. Mschr. 175 (1981)
313).
Am 18. November 1989, also nur 9 Tage nach dem symbolischen
Fall der Mauer, fand dann die denkwürdige 101. Tagung
der „West“-Berliner Gesellschaft unter Vorsitz
von Gisela Albrecht (Spandau) statt. Am 31. März 1990
tagten beide noch getrennten Gesellschaften gemeinsam im Hörsaal
der Charité-Hautklinik. In einer „demokratischen,
geheimen Wahl“ wurden zwei Mitglieder der Ostberliner
Gesellschaft in den Vorstand der BDG gewählt: Irene Tausch,
Klaus Harnack.
Am 1. Januar 1991 fusionierte die Dermatologische Gesellschaft
an der Charité Berlin mit der Berliner Dermatologischen
Gesellschaft. Anlässlich der 102. Sitzung der BDG am
19. Januar 1991 wurde Frau Prof. B. M. Czarnetzki zur Vorsitzenden
gewählt. Die Tagungen finden jetzt alternierend im Hörsaal
West des Klinikums „Benjamin-Franklin“ in Steglitz
und im Hörsaal der Hautklinik der Charité, Campus
Mitte, statt.
Anlässlich der Feier zum 80. Geburtstag von Günter
Stüttgen (Januar 1999) stiftete die BDG den „Günter-Stüttgen-Preis“.
Erste Vorsitzende und Schriftführer der Berliner
Dermatologischen Gesellschaft seit Wiedergründung im
Jahre 1948:
| Zeitraum |
Erster Vorsitzender |
Schriftführer |
| |
|
|
| 1948-1956 |
G.A. Rost |
H. Winkler |
| 1956-1957 |
E. Langer |
H. Winkler |
| 1957-1960 |
K. Halter |
H. Grimmer |
| 1960-1962 |
H.W. Spier |
H. Grimmer |
| 1962-1964 |
H. Teller |
H. Krüger |
| 1964-1966 |
K. Halter |
M. Hornemann |
| 1966-1968 |
H.W. Spier |
R. Kaden |
| 1968-1970 |
H. Teller |
H. Krüger |
| 1970-1972 |
G. Stüttgen |
F. Nürnberger |
| 1972-1974 |
W. Thies |
F. Klaschka |
| 1974-1976 |
K. Winkler |
P. Stechel |
| 1976-1978 |
E. Schwarz |
F. Klaschkla |
| 1978-1980 |
G. Ehlers |
K. Scharr |
| 1980-1982 |
F. Klaschka |
K. Rauhut |
| 1982-1984 |
C.E. Orfanos |
W. Thies |
| 1984-1987 |
F. Nürnberger |
W.Ch. Marsch |
| 1987-1990 |
G. Albrecht |
H. Tourbier, H. Holzmann |
| 1990-1992 |
B. Czarnetzki |
G. Albrecht |
| 1992-1994 |
G. Ehlers |
C. Wepler |
| 1994-1996 |
C. Garbe |
B. Tebbe |
| 1996-1998 |
W. Sterry |
H. Albrecht-Nebe |
| 1998-2000 |
S. Goerdt |
B. Tebbe |
| 2000-2002 |
G. Kolde |
E. Rowe |
| 2002-2004 |
Ch. Zouboulis |
B. Radtke |
| 2004-2006 |
G. Albrecht |
R. Treudler |
| 2006-2008 |
W. Sterry |
A. Härtel |
| 2008-2010 |
W. Sterry |
A. Härtel |
Quelle: „Die Hautklinik der Charité und die
Dermatologie in Berlin (1710-1999)“, Klaus Harnack, Berlin:
BMV, 2000. |
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